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AMS - 24. Mai 1975
Treibwerk
Test Porsche turbo: Deutschlands schnellster Sportwagen.
Von Gert Hack
Porsche stellte den „turbo" als Spitzenmodell des Hauses im Oktober 1974 auf dem
Pariser Salon vor. Zu einem Zeitpunkt also, als die gesamte deutsche
Automobilindustrie, insbesondere aber die Zuffenhausener Sportwagenschmiede,
noch stark unter den Folgen der Rezession litt. Zu einem Zeitpunkt auch, als
kleine und sparsame Autos weit mehr im Mittelpunkt des Interesses standen als
PS-starke Exklusivgefährte.
Breite Kotflügel, walzenähnliche Reifen, ein großer Heckspoiler
und der völlige Verzicht auf Chrom kennzeichnen das neue
Spitzenmodell der Firma Porsche.
Hat also Porsche mit dem turbo aufs falsche Pferd gesetzt? Wäre es nicht besser
gewesen. eine in Hubraum, Leistung und Ausstattung gestrippte Sparversion des
911 zu präsentieren? Wohl kaum. Denn die Zukunft und Existenzgrundlagen einer
Sportwagenfabrik wie Porsche werden mehr durch technischen Vorsprung und
Exklusivität gesichert als durch Sparangebote. Es liegt somit nahe.
stückzahlbedingte Umsatzverluste wenigstens teilweise durch entsprechend teure
Spitzenmodelle auszugleichen. So betrachtet ist der Schritt zum exklusiven
Spitzen-Porsche nur logisch.
Das Entwicklungsziel war also für die Porsche-Techniker klar umrissen: Aufbauend
auf dem Basistyp 911 sollte das Top-Modell in Ausstattung, Aussehen und Leistung
ein solches Maß an Exklusivität gewinnen, daß es sich deutlich von der übrigen
Modellpalette abhob und gleichzeitig die bislang noch vorhandene Lücke zu den
Exoten italienischer Machart schloß. Dabei sollten der für Porsche-Autos übliche
hohe Gebrauchswert und die Alltagstauglichkeit auf keinen Fall eingeschränkt
werden.
Funktioneller Luxus
Zweifellos hat Porsche mit dem turbo das angestrebte Ziel erreicht. Die
walzenähnlichen Reifen, die überbreiten Kotflügel, der serienmäßige
Frontspoiler, vor allem jedoch der ausladende Heckflügel sichern ihm ein
ungewöhnliches Maß an Beachtung. An der Karosserie selbst ist kein Gramm Chrom
zu finden, sogar Rückspiegel und Scheinwerferringe präsentieren sich in
funktionellem Schwarz.
Auch bei der luxuriösen und überaus reichhaltigen Ausstattung steht das Bemühen
um technische Perfektion und sinnvolle Funktionalität im Vordergrund. Eine
Scheinwerfer-Reinigungsanlage, heizbare Windschutzscheibe und
Heckscheibenwischer zählen ebenso zur Serienausstattung, wie die elektrischen
Fensterheber und ein Stereo-Radio (siehe auch Ausstattungstabelle).
Besondere Erwähnung verdient die automatische Heizungsregulierung, die dem turbo
einen seiner Preisklasse angemessenen Heizkomfort garantiert. An gewohnter
Stelle auf dem Rahmentunnel zwischen den Sitzen befindet sich der Heizungshebel,
der allerdings nicht von Hand, sondern von einem elektrischen Stellmotor
betätigt wird. Der Fahrer wählt lediglich mit einem daneben placierten Drehknopf
die gewünschte Temperatur vor, der Rest geschieht automatisch durch einen im
Wagendach installierten Temperaturfühler. der die entsprechenden Signale an den
elektrischen Versteller für die Heizluftmenge weitergibt. Im Betrieb
funktioniert die Sache überraschend gut, so daß das prinzipielle Problem dieser
Heizungsart (starke Drehzahlabhängigkeit) erstmals zufriedenstellend gelöst
wurde.
Im übrigen Interieur unterscheidet sich der turbo nicht von seinen preiswerteren
Seriengeschwistern. Die Instrumentierung ist wie üblich bei Porsche reichhaltig
und übersichtlich.
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